< ZurückEin verrückter Haufen mit großer Tradition
6.Februar 2026
Wenn sich in Donzdorf die Wagenbauhallen füllen, Späne fliegen und der Geruch von Farbe und Holz in der Luft liegt, dann ist klar: Es ist wieder Fasnetszeit. Mit den Klauber’s Hängengebliebenen und Hinzes Team feiern gleich zwei Wagenbaugruppen in diesem Jahr ihre 50. Teilnahme am Donzdorfer Fasnetsumzug. Und passender könnte es kaum sein, dass beide Gruppen seit inzwischen zwei Jahren gemeinsam in einer Halle bauen. Was als pragmatische Lösung begann, ist längst zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte geworden.
Oder wie sich die beiden selbst gerne nennen: Einfach ein verrückter Haufen.
Wagenbau mit Herz, Hand und Humor
Eine gewisse Portion Verrücktheit braucht es auch. Denn gebaut wird Abend für Abend in einer unbeheizten Halle – oft bei Temperaturen, bei denen andere längst auf dem Sofa sitzen würden. Beide Gruppen sind dabei klassische Fasnetsstammtische: Außerhalb der fünften Jahreszeit trifft man sich kaum, doch sobald die Fasnet näher rückt, greifen alle wie selbstverständlich wieder zusammen an.
"Dann stehen am Wochenende hier schnell über 20 Leute, damit alles rechtzeitig zum Umzug fertig wird."
Unter der Woche arbeiten bei Hinzes Team rund zehn Personen am aktuellen Motivwagen, am Wochenende sind es deutlich mehr. „Dann stehen hier schnell über 20 Leute, damit alles rechtzeitig fertig wird“, erzählen Patrick und Daniel Knab, die schon als Kinder mit ihren Eltern beim Wagenbau dabei waren. Heute führen sie gemeinsam mit einer neuen Generation diese Tradition fort.
Auch bei den Klauber’s Hängengebliebenen wird mit vollem Einsatz gebaut – überwiegend am Wochenende, dann aber mit bis zu 35 Helferinnen und Helfern gleichzeitig. Viele Hände, kurze Wege und jede Menge Erfahrung machen sich bezahlt.
Ideen aus dem CAD – und aus dem Bauch heraus
Die ersten Ideen entstehen bei beiden Gruppen bereits im Herbst. Inzwischen gehören auch echte Spezialisten dazu, die die Wagen vorab in CAD zeichnen. Doch Theorie und Praxis gehen nicht immer Hand in Hand.

„Bei uns war die Zeichnung etwas zu groß“, schmunzelt Maurice Bürgler, einer der Verantwortlichen bei den Klauber’s. Bei Hinzes Team war es genau andersherum – dort fiel der Entwurf zunächst zu klein aus. Beides wurde während des Baus angepasst. Denn eines ist allen wichtig: „Wir bauen nicht auf den Zentimeter genau nach Zeichnung. Vieles ergibt sich spontan während dem Bauen.“ Was nicht passt, wird einfach passend gemacht.
Finanzierung: Kreativität statt Gewinn
Was viele nicht wissen: Der Wagenbau finanziert sich bei den meisten Gruppen zu großen Teilen über die Fußgruppen. Jeder Teilnehmer zahlt einen festen Betrag für sein Kostüm – ein Teil davon fließt direkt in Material, Technik und Baukosten. Reich wird damit niemand. Am Ende geht es für beide Gruppen finanziell meist “null auf null” auf.
Hinzes Team verfügt mit rund 200 Personen über eine etwas kleinere Fußgruppe und ist daher stark auf Materialspenden angewiesen. Farben und Lacke erhalten die Wagenbauer über großzügige Sachspenden, weitere Verbrauchsmaterial werden über gute Kontakte zu fairen Konditionen eingekauft. Für die Verpflegung während der Bauabende wird ein kleiner Obolus eingesammelt – sogar ein eigener Getränkeautomat steht inzwischen in der Halle.
Als die Gruppe früher noch bei Stahlbau Wendeler bauen durfte, basierten die Unterkonstruktionen meist aus Stahl und Blech – Schweißen war die Hauptverbindungsart. In der neuen Halle ist das Schweißen nicht mehr möglich, daher bauen beide Gruppen inzwischen primär in Holzbautechnik. Ohne das seit Jahren kostenlos zur Verfügung gestellte Holz einer Donzdorfer Firma wären Motivwagen dieser Größe für beide Gruppen aber nicht machbar.
Mit rund 500 Teilnehmern in der Fußgruppe verfügen die Klauber’s Hängengebliebene zudem über einen entscheidenden Vorteil: Der hohe Kostümbedarf ermöglicht den direkten Kontakt zu einem Großhändler. Durch die sehr günstigen Einkaufskonditionen können so nicht nur zusätzliches Material und Technik, sondern auch Musikanlage und DJ finanziert werden
Musik, Party und Profi-DJ
Apropos DJ: Hier gehen die Wege der Gruppen auseinander. Während Hinzes Team bewusst auf einen externen DJ verzichtet, sind die Klauber’s die einzige Wagenbaugruppe mit einem professionellen DJ an Bord. Ein regional bekannter Name, der vor drei Jahren zum ersten Mal dabei war. Anfangs noch skeptisch, war er nach der ersten Teilnahme so begeistert, dass er direkt für das nächste Jahr zugesagt hat.
„Wir freuen uns über jeden der kommt und gemeinsam mit uns die Musik genießt“
Hinzes Team und Klauber's mit der Einladung an Nacbbarn
Insgesamt steht die gemeinsame Zeit und natürlich auch das Feiern ganz oben. So steigt traditionell am Samstag vor dem Umzug eine große Abschlussparty vor dem großen Umzug. Damit es dabei keinen Ärger gibt, werden alle Nachbarn im Vorfeld informiert und eingeladen. „Wir freuen uns über jeden der kommt und gemeinsam mit uns die Musik genießt“, heißt es – und genau so wird es auch gelebt.
Countdown zum 67. Donzdorfer Fasnetsumzug
Sicherheit, Organisation und neue Herausforderungen
Dass beide Gruppen nicht nur feiern können, sondern auch organisatorisch bestens aufgestellt sind, haben sie längst bewiesen. So sorgte im vergangenen Jahr die mehrere hundert Personen starke Fußgruppe der Klauber’s Hängengebliebenen im Vorfeld beim Kulturring durchaus für Bauchschmerzen. Das Team um Maurice Bürgler hielt jedoch Wort und überzeugte am Ende mit einem reibungslosen und vorbildlich organisierten Auftritt dieser außergewöhnlich großen Einzelgruppe.
Dabei sind in den letzten Jahren die organisatorischen Anforderungen deutlich gestiegen. Notausschalter am Wagen, TÜV-Abnahme, mündliche und schriftliche Briefings für die Wagenbegleiter, Formulare und Absicherungen für alle Teilnehmer – all das gehört inzwischen selbstverständlich dazu. Zusätzlich müssen die Wagenverkleidungen möglichst bodennah gestaltet sein, dürfen aber gleichzeitig nicht verhindern, dass der Wagen über versenkbare Terrorpoller fahren kann. Ein organisatorischer Spagat, hinter dem beide Gruppen aber zu 100 Prozent stehen.
Und falls doch einmal etwas schiefgeht? Dann wird improvisiert. „Im Normalfall sind wir zur Party am Samstag fertig“, heißt es bei Hinzes Team.
„Aber im Ausnahmefall kann es auch passieren, dass am Sonntag im Aufstellungsbereich noch schnell repariert werden muss.“
Patrick Knab von Hinzes Team
Eigenes Material, eigenes Maskottchen
Bei den Klauber’s Hängengebliebenen stand in diesem Jahr zudem eine größere Investition an: Für mehrere tausend Euro wurde eine eigene Lafette angeschafft, die im Sommer komplett in Eigenleistung aufbereitet wurde – inklusive Stauraum für Werkzeug, das nun ebenfalls vollständig gruppeneigen ist. Getränke und Verpflegung während des Baus sind hier übrigens All-Inclusive.
Das Motto der Klauber’s Hängengebliebenen
Damit gelingt auch in diesem Jahr wieder ein überzeugender Motivwagen. Mit dabei: Das übergroße Maskottchen. Dabei bringt das diesjährige Motto die Haltung der Gruppe perfekt auf den auf den Punkt:
„Seit 50 Jahren wild und laut, Politik wird stets verbaut.
Schon immer alles gegeben:
Dia de los Muertos – wir feiern das Leben.“Klauber's Hängengebliebene 2026

Das Motto von Hinzes Team
Die Nachbarn feiern mit einem übergroßen Kultauto “50 Jahre Hinzes Team & Golf GTI, mehr Spaß & Qualität gibt’s nie“. Spaß und Qualität, zwei Eigenschaften die den Zusammenhalt beider Wagenbauer auf einen Nenner bringen.
“50 Jahre Hinzes Team & Golf GTI,
mehr Spaß & Qualität gibt's nie"Hinzes Team 2026
Ein großes Team – und ein bisschen Wehmut
Man hilft sich aus, teilt Material, Wissen und auch die legendären Sofas, die in den beheizten „Kabuffs“ längst Kultstatus erreicht haben. Gerade bei den aktuellen Temperaturen sind diese Rückzugsorte Gold wert.
Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Bonbons und Süßigkeiten sind inzwischen in den benötigten Mengen kaum noch bezahlbar. Eine Entwicklung, die beide Gruppen schade finden – denn sie gehören für viele Besucher einfach zur Fasnet dazu.
Doch eines ist klar: Solange in Donzdorf gemeinsam gebaut, gelacht und gefeiert wird, lebt die Fasnet weiter. Hinzes Team und Klauber’s Hängengebliebene tragen auch im 50. Anlauf ihren Teil dazu bei.
Denn ein bisschen verrückt sein gehört einfach dazu!